Um das Innovationspotenzial von Regionen in der EU vergleichen zu können, wurde vom Statistischen Landesamt in Baden-Württemberg ein Innovationsindex entwickelt. In dieser Kennzahl sind eine Vielzahl von Innovationsindikatoren gebündelt.
Der Innovationsindex wird für die Länder bzw. Regionen der Europäischen Union (EU) und außerdem für die 44 Stadt- und Landkreise sowie die 12 Regionen im Land Baden-Württemberg berechnet.
In die Berechung des Innovationsindex fließen folgende Indikatoren ein:
| Übersicht 1: Innovationsindikatoren für die EU-Länder und -Regionen | ||
|---|---|---|
| Indikator | Berichtsjahr1) | |
| Niveau | Dynamik | |
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1) Für einige Länder bzw. Regionen lagen die Daten für die genannten Berichtsjahre nicht vor. In diesen Fällen wurden die aktuellsten zur Verfügung stehenden Daten verwendet. 2) Forschung- und Entwickung. 3) Vollzeitäquivalente 4) Eurostat-Klassifikation. 5) HRST-O (occupation): Personen, die in wissenschaftlich-technischen Berufen arbeiten, unabhängig davon, ob sie einen formalen wissenschaftlich-technischen Bildungsabschluss vorweisen können. 6) Patente auf NUTS 1-Ebene: Eigene Schätzung. Datenquelle: Eurostat | ||
| FuE-Ausgaben2) insgesamt / Bruttoinlandsprodukt | 2007 | 1999 - 2007 |
| FuE-Personal (VZÄ)3) / Erwerbspersonen insgesamt | 2007 | 1999 - 2007 |
| Erwerbstätige in industriellen Hochtechnologiebranchen4) / Erwerbstätige insgesamt | 2008 | 1999 - 2008 |
| Erwerbstätige in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen4) / Erwerbstätige insgesamt | 2008 | 1999 - 2008 |
| Erwerbstätige in wissenschaftlich-technischen Berufen (HRSTO)5) / Erwerbstätige insgesamt | 2008 | 1999 - 2008 |
| Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt6) / 1 Mill. Einwohner | 2007 | 1999 - 2007 |
| Übersicht 2: Innovationsindikatoren für die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs | ||
|---|---|---|
| Indikator | Berichtsjahr | |
| Niveau | Dynamik | |
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1) Forschung- und Entwicklung. 2) Verarbeitendes Gewerbe und Grundstückswesen, Unternehmensdienstleistungen. 3) Vollzeitäquivalente. 4) Eurostat-Klassifikation. 5) Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen in Hochtechnologiebranchen. 6) Anmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt und beim Europäischen Patentamt. Eigene Schätzungen. Datenquellen: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Bundesagentur für Arbeit, Deutsches Patent- und Markenamt, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. | ||
| Interne FuE-Aufwendungen1) der Unternehmen / Bruttowertschöpfung der Wirtschaftsbereiche D + K2) (WZ 2003) | 2007 | 1999 - 2007 |
| FuE-Personal in Unternehmen (VZÄ3)) / Erwerbstätige in der Wirtschaftsbereiche D + K2) (WZ 2003) | 2007 | 1999 - 2007 |
| Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in industriellen Hochtechnologiebranchen4) (WZ 2008) / Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte insgesamt | 2009 | 2003 - 2009 |
| Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen4) (WZ 2008) / Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte insgesamt | 2009 | 2003 - 2009 |
| Existenzgründungen in Hochtechnologiebranchen 4) 5) (WZ 2008) / Einwohner von 21 bis unter 60 Jahre | 2008/2009 | 2003/2004 - 2008/2009 |
| Veröffentlichte Patentanmeldungen aus der Wirtschaft und Wissenschaft6) / Einwohner von 21 bis unter 65 Jahre | 2007 | 1999 - 2007 |
Der Innovationsindex setzt sich aus den beiden Teilindizes »Niveau« und »Dynamik« zusammen. In den Niveauindex gehen die aktuellsten Werte von sechs Innovationsindikatoren ein. Er gibt Aufschluss über den technologischen Ist-Zustand in den untersuchten Regionen. Der Dynamikindex umfasst die jahresdurchschnittlichen Veränderungsraten dieser sechs Innovationsindikatoren und gibt damit Hinweise auf die Entwicklung des Innovationspotenzials in den Regionen.
Bei der Indexberechnung wird zunächst jede Indikatorreihe i(1 bis 12) standardisiert. Dem höchsten Indikatorreihenwert maxij (j = 1 bis n, n = Anzahl der Daten je Indikatorreihe) wird der Wert 100 und dem kleinsten Indikatorreihenwert min xij der Wert 0 zugewiesen. Die Einzelindikatorwerte xij werden gemäß der Formel (xij - min xij)/(max xij - min xij)x 100 umgerechnet. Durch diese Standardisierung wird für jede Indikatorreihe ein identischer Wertebereich geschaffen. Die beiden Teilindizes »Niveau« und »Dynamik« werden nun mit Hilfe des arithmetischen Mittels aus den jeweils sechs standardisierten Einzelindikatorwerten berechnet; damit gehen die Indikatorreihenwerte mit gleichem Gewicht in den jeweiligen Teilindex ein.
Zuletzt werden die beiden Teilindizes »Niveau« und »Dynamik« mit einem Verhältnis von 75 : 25 zum Innovationsindex aggregiert. Der Teilindex Dynamik geht nur zu 25 % in den Gesamtindex ein, da es ansonsten zu Verzerrungen im Ranking durch Regionen mit einem geringen Ausgangsniveau kommen würde (statistischer Basiseffekt).
Für die EU-Regionen und die baden-württembergischen Kreise liegen keine völlig identischen Innovationsindikatoren vor, daher wird der Innovationsindex für die beiden Untersuchungsräume mit Hilfe von inhaltlich ähnlichen Einzelindikatoren berechnet. Ein direkter Vergleich der absoluten Indexwerte auf Landesebene mit den Werten auf der EU-Ebene ist aus diesem Grund nicht möglich.
Durch die Standardisierung sind die Indexwerte unterschiedlicher Berichtsjahre nicht miteinander vergleichbar. Ein intertemporaler Vergleich der Rangfolge der Länder, Regionen oder Kreise ist aber möglich.
Um eine bessere Vergleichbarkeit mit Baden-Württemberg zu erreichen, werden für die Berechnung des Innovationsindex auf EU-Ebene die EU-Staaten1) Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Spanien und das Vereinigte Königreich gemäß der EU-Gebietssystematik NUTS2) in so genannte NUTS 1-Regionen gegliedert. In Deutschland entsprechen NUTS 1-Regionen den Bundesländern. 3)
Die statistische Abgrenzung der Hochtechnologie- und der wissensintensiven Dienstleistungsbranchen im Innovationsindex folgt der Klassifikation von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften.
Hier umfasst der Hochtechnologiesektor folgende Wirtschaftszweige:4)
Zu den industriellen Hochtechnologiebranchen bzw. FuE-intensiven Industriezweigen zählen die Wirtschaftszweige 20, 21 und 26 bis 30.
Als wissensintensiv gelten Wirtschaftszweige des Dienstleistungssektors, in denen der Anteil der Hochschulabsolventen, der Beschäftigten mit natur- und ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung und/oder der Beschäftigten mit Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionstätigkeiten überdurchschnittlich hoch ist.
Zu den wissensintensiven Dienstleistungsbranchen werden folgende Wirtschaftszweige gezählt:5)
Die statistische Abgrenzung von wissenschaftlich-technischen Berufen folgt einer Klassifikation von Eurostat und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Im Rahmen der EU-Arbeitskräfteerhebung werden Haushalte u. a. nach dem Ausbildungsniveau und der beruflichen Tätigkeit der einzelnen Haushaltsmitglieder befragt. Die dieser Eurostat-Daten zugrunde liegende Klassifikation (International Standard Classification of Occupation – ISCO-88) umfasst Beschäftigte, die über gute bis sehr gute berufliche oder technische Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Natur-, Ingenieur-, Human-, Lebens- oder Sozialwissenschaften verfügen (ISCO-88, Hauptgruppen 3 + 4). Dazu zählen zum Beispiel Physiker, Biowissenschaftler, Wissenschaftliche Lehrkräfte, Technische und Biowissenschaftliche Fachkräfte.
1) Ist die Einwohnerzahl bzw. das Bruttoinlandsprodukt eines Landes größer als die Einwohnerzahl bzw. das Bruttoinlandsprodukt Baden-Württembergs wird eine Aufgliederung vorgenommen, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die Datengrundlage dies zulässt.
2) Nomenclature des unités territoriales statistique.
3) Bei einem intertemporalen Vergleich der Rangfolge von Regionen muss die gleiche Gesamtregionenanzahl vorhanden sein. In der Indexberechnung 2010 wurden gegenüber der Indexberechnung 2008 die Regionen der Niederlande und des Vereinigten Königreichs neu aufgenommen. Dies muss entsprechend berücksichtigt werden.
4) Nummer der Amtlichen Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ) – Ausgabe 2008 - in Klammern.
5) Nummer der Amtlichen Klassifikation der Wirtschaftszweige – Ausgabe 2008 - in Klammern.
© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2011 | ^